In den Bergen gen Westen zu soll es einen unermeßlichen Schatz an Gold und Silber , Schmuck und Juwelen geben. Ein armer Hirtenjunge fand einmal beim Hüten auf der Wiese am Waldrand eine wunderschöne Blume. Und als es Zeit zum Heimgehen war brach er sie, um sie seiner Mutter mitzubringen. Da konnte er in seinem Augenwinkel einen Schatten wahrnehmen, der ins tiefe Unterholz verschwand und ward neugierig, welches Wesen das wohl gewesen sein mochte. Also folgte er dem Wesen in den Wald und fand alsbald eine große goldene Tür, die direkt in den Felsen führte, aber abgeschlossen war. Da formte sich aus der Blume, die der Hirtenknabe in der Hand hielt ein goldener Schlüssel. Und siehe da, er paßte direkt in das Schloß. Der Junge öffnete die Tür und kam in eine riesige, wundersam erleuchtete Kammer. Die war über und über mit Gold und Silber, Schmuck und Juwelen gefüllt. Nimm was du tragen kannst! Aber vergiß das Beste nicht!" hörte er eine Stimme ertönen und ließ sich nicht lange bitten. Er legte die Blume auf ein goldenes Tischlein und steckte sich in die Taschen, was sie fassen konnten. Als er genug zu Schleppen hatte, wollte er zurück ans Tageslicht, da hörte er die Stimme wieder: "Vergiß das Beste nicht!" Und er wandte sich um und suchte noch kostbareres Geschmeide, noch schönere Schmuckstücke heraus und wandte sich abermals zum Gehen. Und wieder rief ihm die Stimme zu, er solle das Beste nicht vergessen. Da wurde es dem Hirtenknabe zu unheimlich, er ließ alles fallen und eilte zu der goldenen Tür. Gerade als er die Schwelle zur Höhle verlassen hatte, schlug die Tür hinter ihm ins Schloß. So schnell, daß sie dabei sein Hemdchen und seine Hose einklemmte. Erschrocken riß sich der Junge los und rannte fast nackt in den Wald. Erst nach einer Weile beruhigte er sich wieder und bleib stehen. Es war schon recht dunkel geworden und nur noch spärlich fiel das Licht durch die Zweige der Bäume. Nur seine Hirtentasche hatte er noch an und die Ärmel seines Hemdchens. Da eilte er zurück zu dem Felsen und der goldenen Tür, um seine Kleidung zu holen. Doch die Tür und seine Kleidung waren verschwunden. Nur seine Fußspuren zeugten davon, daß er nicht geträumt hatte und wirklich hier gewesen war. Traurig und beschämt ging er heim und beichtete die Geschichte seiner Mutter. Er öffnete die Hirtentasche, um ihr zu zeigen, worin er daß Gold hatte packen wollen und siehe da: in seiner Tasche waren tatsächlich noch Schmuckstücke. Da wurde die Mutter ganz still. Die Blume, mein Junge! Wo hast Du die Blume gelassen?!" fragte sie ihn und der Junge gestand, daß er sie in der Höhle vergessen hatte. Sie war das Beste! Die Blume war das Beste an dem Schatz! Sie hat Dir doch die Tür geöffnet!" Da erkannte der Junge, was die Stimme gemeint hatte. Aber nun war es zu spät. Immerwieder ging er von nun an am Waldesrand nach der Blume suchen. Doch wie oft er den Waldrand auch absuchte, die wunderschöne Blume fand er nicht mehr. Der Schmuck aber half der Familie über manche Not hinweg und man erzählt sich daß nach dem Tod des Mannes, der unruhige Geist des damaligen Hirtenknaben in den Wäldern noch heute herumirrt und weiter nach der Blume sucht.