In den Wäldern rund um den Schwarzfels leben dackelgroße Laürjäger
mit eigentümlichen Äußeren: Sie besitzen kurze Vorder- und lange
Hinterbeine, Fledermausflügel und einen Bieberschwanz. Obwohl sie
fliegen können, bewegen sie sich die meiste Zeit mit einer
Hoppelbewegung vorwärts, die stark an ein Kaninchen erinnert. Ihre
Flugkünste zeigen sie nur, wenn sie sich in Gefahr wähnen und fliehen
wollen. Die schwarzbraunen Gesellen ernähren sich heutzutage von
Kleintieren wie Ratten, Schlangen und Mäusen, und als ebenso
geschickte Jäger und Schwimmer im Wasser auch von Fröschen und Kröten.
Manch argloser Wanderer mag ihr grunzartigen Laut, den sie bei der
Aufnahme der Witterung während der Jagd ausstoßen, gehört haben und
sich nicht vorstellen können, welch Tier einen solchen Laut von sich
gibt. Auch das Keckern von Fehnhörnchen mag den unwissenden Reisenden
täuschen, denn so unterhalten sich Wolperdackel untereinander.
Verwirrt wird ein Unkundiger aber erst recht, wenn er im Wald des
Schwarzfels eine Vielzahl von Pfauen vermuten muß, wenn zur
Paarungszeit der Wolperdackel die pfauenähnlichen Schreie durchs
Gehölz gellen. Das ist dann auch die Zeit, in der alle Bauern, die von
Hesinde bedacht sind, ihre jungfräulichen Töchter im Haus verbergen.
Denn , so weiß jedes Meidensteiner Kind zu berichten, plündern die
Wolperdackel nicht nur die Hühnerställe, sondern rauben auch
Jungfrauen, die sie dann in den Schwarzfels entführen und die eine
neue; Generation der Wolperdackel gebären müssen.
Tief im Wald soll es
einen roten Wolperdackel geben, der ungleich gefährlicher sein soll,
als seine schwarzbraunen Brüder. Der rote Wolperdackel ist pferdegroß
und man sagt ihm nach, daß er selbst einem wohlgerüsteten Ritter
gefährlich werden könnte. Geschweige denn einem unbedarften Reisenden.
Das drollige Waschbärengesicht verbirgt nämlich nur zu gut den
eigentlichen Grund der Existenz der Wolperdackel. Zur Zeit der
Magierkriege, als über Dere die verruchtesten Magier wanderten, da zog
sich der Schwarzmagier Ykmen il Saronno auf die Burg Stolzenfels
zurück. Und erschuf dort in unheiligen Riten aus dem heimischen
Waschbär, der Fledermaus, dem Biber, dem Wolfsmarder und dem Dackel
götterlästerliche Chimären, die seine Burg schützen sollten. Viele
Meidensteiner Jungfrauen raubte er, um ein ganzes Heer dieser
pferdsgroßen Chimären zu züchten.
Da kam der Retter aus tiefster Not
nach Meidenstein: Rohal selbst suchte den Schwarzmagier auf und als
dieser sein Ende nahen sah, verwandelte er sich selbst in einen
Riesen. Als er sich nun krümmte und wand, während er wuchs und wuchs,
zerschmetterte er dabei seine Burg und als er zum Riese geworden ward,
da sprang er vom Stolzenfels hinunter und floh. Noch heute ist bei
Riesfuß die große Vertiefung zu sehen, die sein Fuß hinterließ, als er
vom Berge sprang. Rohal aber verwandelte alle Wolperdackel zu Stein
und noch heute kann man zwischen den verwitterten Steinen der Ruine
solche Exemplare finden. Als Rohal dem Schwarzmagier nachsetzte, um
ihn für seine Taten zu strafen, übersah er ein junges Mädchen, daß in
einer Höhle unter dem Stolzenfels lag. Diese gebar zwei Wolperdackel
in der selben Stunde, da Rohal den Magier stellte und ebenfalls zu
Stein verwandelte. Der riesige Felsen unweit des Kließees ist der
versteinerte Schwarzmagier und man erzählt sich, daß wenn einst ein
großer Magier nach Darpartien kommt, daß er den Riesfels wieder in
menschliche Gestalt verwandeln könnte und dann sei das Ende
Meidensteins gewiß.
Seitdem sind Magier und Druiden in Meidenstein
ungern gesehene Gäste und ein jeder Magier tut gut daran, seinen
Aufenthalt in Meidenstein so kurz wie möglich zu gestalten. Die beiden
Wolperdackel jedoch, geboren von dem Mädchen in der Höhle waren so
unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während der eine rotes Fell und
riesige Pranken hatte, und bald zu der Größe eines Pferdes auswuchs
und das Mädchen erbarmungslos tötete, hatte der andere schwarzbraunes
Fell und erreichte gerade mal die Größe eines Dackels. Aus ihm wurde
bald ein geschickter Jäger und der Vorfahre aller kleinen Wolperdackel
in den Wäldern. Die Burgruine aber wird seit dieser Zeit nur noch
Schwarzfels genannt.
Wenn im Firun der eisige Herrscher das Land fest in seinen Händen hält
und der Schnee Berge und Täler weiß überdeckt, dann ziehen die Bauern
von Meidenstein zur Wolperdackeljagd. Am 13. Firun jeden Götterlaufes
ziehen fähige Spurenleser und die vier besten Bogenschützen mit den
Bauern in die Wälder um den Schwarzfels. Angetan mit weißen Bettlaken,
um sich im Schnee gut zu tarnen, zingeln sie eine Gruppe von
Wolperdackel ein, schießen Pfeile ab, an denen Schnüre befestigt sind,
die ein Netz aus Rotweiden hintersichherziehen. Keiner weiß warum,
aber gerade Rotweiden können sie nicht vertragen. Anschließend werden
die Wolperdackel mit eigens dafür entworfenen Knüppeln und einem
gezielten Schlag getötet. Dabei stellt das Erlegen der Wolperdackel
keine Schwierigkeit dar. Jedoch das Aufspüren der Wolperdackelrudel im
Winter ist eine schwierige Kunst, die nur von wenigen Männern und
Frauen beherrscht wird. In Schwarzweil auf dem Marktplatz wird die
Jagdbeute sodann vorgeführt und anschließend bei einem Volksfest
gegrillt und verzehrt.
Wolperdackel sind äußerst wohlschmeckend und in
ihrem Geschmack dem eines Wildschweines ähnlich.