Akustische TäuschungenEndlos ansteigende Melodien:
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Acoustic illusionsEndlessly rising melodies:
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![]() M. C. Escher: Treppauf, treppab - ascending, descending | ||
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Neben den bekannten optischen Täuschungen gibt es auch die weniger
bekannten akustischen Täuschungen. Die wohl berühmteste ist
der Shepard-Effekt (benannt nach seinem Entdecker). Dieser Effekt
täuscht dem Zuhörer eine steigende (oder fallende) Melodie
vor, obwohl die Tonhöhe insgesamt gleich bleibt. Auf diese Weise
kann man musikalische Stücke spielen, die andernfalls die menschliche
Hörschwelle überschritten. Nimm dazu das folgende Beispiel: Eine Shepard-Tonleiter. Wenn Du die Sound-Datei abspielst, hörst Du eine ansteigende einfache Melodie. Ihr Endton scheint eine Oktave höher zu sein als der Beginn. Singe einfach mit. Doch halt: Spiele die Datei erneut, und vergleiche den letzten Ton mit den ersten: Sie sind in Wirklichkeit identisch! Die Illusion ist unglaublich perfekt. Überzeuge Dich ggf. mit einem Audio-Player oder einem -Editor, indem Du den ersten und den letzten Ton direkt miteinander vergleichst. |
Besides the well-known optical illusions there are acoustic ones, too. Perhaps
the most popular acoustics illusion is the effect that was discovered by Shepard:
A scale that gives the listener the impression of an endlessly rising melody -
but in fact the pitch of the tones does not rise. This way it is possible to play
musical pieces that would otherwise cross the human perception threshold. Take the following example: You will hear a very simple melody which seems to rise. Sing with the sound and you will clearly realize that you will get off one octave higher than at the start. But - wait a moment! Replay the sound and verify that the last tone is exacly as high as the first! The illusion is perfect. If you do not believe it, then save the sound file and compare the fist and last tones directly, e.g. with a sound player or editor. | |
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J. S. Bach: Canon per tonusEines der schönsten und zugleich subtilsten Beispiele für eine endlos ansteigende Melodie kommt von dem Altmeister Johann Sebastian Bach: In seinem Friedrich dem Großen gewidmeten Musikalischen Opfer narrt er den Zuhörer mit einem modulierenden Kanon per tonus. So wie die Modulation solle auch der Ruhm des Monarchen steigen, schrieb dazu J. S. Bach. Der Kanon beginnt in c-moll und endet logisch in d-moll, einen Ganzton höher. Bei weiteren Wiederholungen des Kanon setzt er immer höher ein:c1, d1, e1, f#1, g#1, b1, c2, d2... |
J. S. Bach's canon per tonusA very famous example of an endlessly rising melody is the canon per tonus from Johann Sebastian Bach's Musical Offering. The melody rises two half-tones each time the canon is repeated (this should illustrate the rising glory of Frederick the Great to whom the Musical Offering was dedicated). The canon starts in C minor. After the first run it ends in D minor, so the second turn begins two half-tones higher than the first one. When the canon is repeated further, it begins in:c1, d1, e1, f#1, g#1, bb1, c2, d2... | |
![]() Ausgeführte Partitur von per tonus - realized score of per tonus - graphic adapted from Tim Smith. | ||
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In seinem Buch Gödel, Escher, Bach schlägt Douglas Hofstadter
vor, den Shepard-Effekt auf Bachs Kanon anzuwenden, um die Melodie vor
dem Immer-höher-Klettern (und damit ihrem erzwungenen Abbruch) zu bewahren.
Doch die Tonleiter von Shepard hat einen schweren Nachteil: Sie kann nicht
zwischen verschiedenen Oktaven unterscheiden, so daß große Tonintervalle
(z.B. eine Septime) vom Hörer falsch (z.B. als Sekunde) interpretiert werden.
Daneben ist es unmöglich, die einzelnen Stimmen voneinander zu unterscheiden,
so daß sich Bachs Kanon schlimm anhört. 1992 habe ich eine modifizierte Shepard-Tonleiter entwickelt. Die Töne werden nicht als Funktion ihrer Frequenz, sondern der verstrichenen Zeit moduliert. Auf diese Weise kann man auch große Tonintervalle klar unterscheiden und die Trennung der drei Stimmen stellt kein Problem mehr dar. Mehr noch: Der Zuhörer kann praktisch keinen Unterschied zum Original wahrnehmen. In den folgenden Beispielen kann man sich selbst überzeugen: Zunächst wird der originale Kanon auf einem Cembalo präsentiert, der am Ende genau eine Oktave höher ist als zu Beginn. Das zweite Tonbeispiel zeigt den gleichen Kanon, diesmal jedoch mit meinem Trick. Obwohl die Melodie nicht abgewandelt wurde, endet sie mit dem gleichen Ton, wie sie auch begonnen hat. Das dritte Beipiel treibt diesen Gag auf die Spitze, indem es die Melodie gar fallen läßt. Ich empfehle das Abspielen mit einem Real Audio 3.0-Player. Noch besser ist die Qualität mit einem MPEG Layer III-Player. Besitzer eines Digitalklaviers können die MIDI-Datei abspielen. Vorher das Instrument auf Cembalo/Harpsichord und Nachhall einstellen. MIDI-fähige Soundkarten bitte vorher initalisieren. |
It was Douglas Hofstadter's ("Godel, Escher, Bach") idea to apply the shepard
effect to Bach's canon. But there is a serious problem: The scale sounds the same
regardless which octave you are playing. Bach's canon, played with a Shepard scale
sounds terrible, becauce big intervals sound small (e.g. a seventh sounds like a
second) and you cannot distinguish the three voices. In 1992 I have developed a modified Shepard scale. All intervals sound clear and there is no problem in distinguishing the voices. The idea was to apply the Shepard effect to the time scale rather than to the frequencies alone. At first glance the listener cannot decide if the modified Shepard effect is turned on or off. Furthermore, it is possible to create melodies that seem to rise but that end one octave lower than they have started. Check out the demonstration. The first sound file features Bach's canon in its (nearly) original version on a harpsichord. The melody rises and ends one octave above the beginning. In the second file I demonstrate my trick: Even if the melody is left unaltered, it refuses to rise! And as a special gag, the melody of the canon falls one octave in the third example. I recommend to get a Real Audio 3.0 player for immediate streaming audio, or - even better - to grab a MPEG Layer III player for the best audio quality. If you own a digital piano, I suggest you to play the MIDI file with harpichord and reverb settings. Please reset your sound card first. | |
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Weitere Informationen im WebIn PC Magazin Online ist ein Artikel über Akustische Täuschungen erschienen.Diese Arbeit basiert auf einer Idee aus Douglas Hofstadters Buch Gödel, Escher, Bach. Vielen Dank für die Anregung, Doug! Die Partitur des Kanons ist eine überarbeitete Version einer Grafik, die ich mit freundlicher Genehmigung von Tim Smith benutzen durfte. Eine musikalische Analyse des Musikalischen Opfers findet sich auf seiner Bach-Seite. Einen guten Überblick über das Werk J. S. Bachs findet sich auf der Bach-Homepage. Eine umfassende Darstellung der subjektiven Tonhöhenwahrnehmung findet sich in der englischsprachigen Auditory World. Thierry Rochebois hat mit seinem Atari ST einige sehr schöne Beispiele des normalen Shepard-Effektes programmiert. Der Zugriff auf diese Seite wird freundlicherweise von Nedstat ausgewertet. |
Acknowledgments and related materialIn PC Magazine Online, an article about acoustical illusions with a new demonstration was published.This work bases on an idea that came from Douglas Hofstadter's book Godel, Escher, Bach. Thank you for the inspiration, Doug! The score of the canon is an adapted version of a graphic used by permission of Tim Smith. An analysis of the Musical Offering is available on his Bach page. An overview of J. S. Bach's work is sampled on the Bach Home Page. A detailed discussion of pitch perception can be found on the Auditory World web page. Some very smooth examples of the conventional Shepard effect are given by Thierry Rochebois. Many thanks to Nedstat, who provide some access statistics to this page. | |
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